Herr Heinrich Busch erteilte uns freundlicherweise die Genehmigung zur Veröffentlichung des nachstehenden Manuskriptes. Weitergehende Informationen über das Thema "Seefunk und Seefahrtgeschichten" sind unter der sehr informativen Webseite http://www.seefunk.hbusch.de nachzulesen.
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von Hans-Joachim Ellissen
Dieser Artikel ist im "Archiv
für deutsche Postgeschichte" Heft 2/1993 erschienen.
Abdruck auf der Homepage
"Seefunk & Seeschiffahrt" mit freundl. Genehmigung der
Witwe des Verfassers
Hans-Joachim Ellissen
und der
Deutschen Gesellschaft für
Post- und Telekommunikationsgeschichte e.V.
Zentrale Geschäftsstelle,
Schaumainkai 53, 60596 Frankfurt am Main
Teil 1
Faraday - Maxwell - Oerstedt - Hertz - Branly - Popow
- Marconi
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Die
Funktechnik ist jetzt fast ein Jahrhundert alt. Heute gehören Rundfunk- und
Fernsehgeräte wie selbstverständlich zum allgemeinen Alltagsleben und
Handfunksprechgeräte oder Fernsteuerungen für Spielzeug zum Warenhausangebot.
Weltweite drahtlose Nachrichtenverbindungen für Fernsprechen, Fernsehen,
Bildübertragung und Fernschreiben über Satelliten sind ebenfalls
selbstverständlich. Damals jedoch, um die Jahrhundertwende, waren die mit
Funk übertragenen Morsezeichen oftmals nicht von atmosphärischen Störungen zu
unterscheiden, und drahtloses Fernsprechen mit den von Funkensendern
erzeugten gedämpften elektromagnetischen Wellen physikalisch unmöglich.
Dennoch war der Beginn der »Wellentelegrafie« mit den knallenden
Funkenüberschlägen der einfachen Sender und dem unzuverlässigen »Fritter« im
Empfänger zum Betrieb der tickenden Morseschreiber weltweit eine Sensation.
Um dies besser zu verstehen ist den Beschreibungen der Geräte und Systeme der
»Funkentechnik« ein Blick auf das damalige allgemeine Umfeld vorangestellt.
Das Umfeld
Die Wegbereiter
Branly (1890) und
Popow (1895) Ein technisches
Nachrichtenmittel entsteht: |
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Die von
Marconi 1897 benutzte Schaltung seiner Funkgeräte zeigt die Abbildung. Der
Funkeninduktor wurde aus einer 8zelligen Batterie (vermutlich
Bleiakkumulator) betrieben und hatte 50 cm Schlagweite, bei späteren
Marconisendern waren es 25 cm. Die Stromaufnahme lag bei 7 A, die
aufgenommene Leistung demnach bei etwa 100 Watt, die Hochfrequenzleistung bei
etwa 10 ... 20 Watt. Die aufwendige Righi-Funkenstrecke hatte Kugeln von 5
und 10 cm Durchmesser, die Abstände der kleinen Kugeln von den großen
betrugen etwa 10 mm, die der großen, die in ein mit Vaselinöl gefülltes
Pergamentrohr ragten, ca. 2 mm. Damit dürfte die Funkenspannung bei 60 ... 80
kV gelegen haben. Ohne Reichweiteneinbuße ersetzte Marconi später die
mehrteilige Righi-Funkenstrecke durch zwei Messingkugeln mit etwa 1 cm
Abstand. Desgleichen ließ er die Zinkzylinder von 1,8 m Höhe und 0,9 m
Durchmesser fort, als er feststellte, dass er mit geringfügig höheren
Antennen die gleichen Entfernungen überbrücken konnte. * 1)
Einzelheiten bei Gregor Ulsamer: |
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Teil 2
Slaby - Braun - AEG -
Siemens - Telefunken - Hoerempfang
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Slaby
folgt in Deutschland
Hiervon hatte auch die Handelsschifffahrt Nutzen, denn diese von der Marine betriebenen Stationen wurden z.T. auch von den am Ort befindlichen See-Telegrafenanstalten für den öffentlichen Telegrammverkehr mit Schiffen eingesetzt: Ab 5. September 1902 die Leuchttürme Bülk (Kieler Bucht), Marienleuchte (Fehmarn), Arkona (Rügen) und Rixhöft (Danziger Bucht), und ab 4. Februar 1903 Cuxhaven und Helgoland. Es ist anzunehmen, dass alle Marine-Küstenstationen wie Cuxhaven einheitlich mit 3-kW Slaby/Arco-Knallfunkensendern ausgerüstet waren (300-1700 m Wellenlänge). Für den Einsatz mit Handelsschiffen arbeiteten sie auf der Wellenlänge 365 m (ab 26. September 1906 auf 350 m ± 30 m, vermutlich um die Einstell- und Betriebstoleranzen der Sender abzudecken). Die Reichweite (FritterSchreibempfang) betrug bei Schiffen mit 30 m hohen Masten 120 km bei normaler Witterung. Braun verbessert
1898 den Sender
Die von
Siemens gefertigten Anlagen nach Braun überbrückten z. B. 1900 mit nur 30 m
hohen Antennen 63 km auf der Telegrafenlinie Cuxhaven - Helgoland und 1902
zwischen Rügen und Köslin 165 km mit 75 m hohen Mehrdrahtantennen. Braun-Siemens plus
AEG-Slaby-Arco = Telefunken Vom Morseschreiber
zum Hörempfang |
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Teil 3
Der Aufschwung mit den tönenden Funken
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Wien
gibt den Anstoß Telefunken baut
die Löschfunkentechnik aus
Sie
wurden mit Sendern verschiedener Leistungsklassen für Schiffe und
Landstationen sowie für militärische Zwecke angeboten und gefertigt. Die
Reichweiten lagen beim üblichen Detektor-Hörempfang je nach Senderleistung
und Antennenhöhe zwischen 50 km bei 50 Watt und über 10 000 km bei 80
Kilowatt. 1913 gab es nach einer Zusammenstellung in der ETZ Oktober 1913 im
Seefunk (ziviler und Marine-Bereich) weltweit in 62 Ländern 494
Küstenfunkstellen, davon 112 mit Telefunkensystem, 141 nach Marconi, sowie
241 verschiedene bzw. nicht bezeichnete Systeme. Auf Schiffen waren 3 039
Funkstationen vorhanden, davon 525 nach Telefunken, 1 129 mit
Marconisystemen, und 1 385 verschiedene oder nicht bekannte Systeme. Von den
Schiffsfunkstellen befanden sich etwa die Hälfte auf Kriegsschiffen. Dazu
kommen noch von den nicht bezeichneten Systemen geschätzt 180
Telefunkenstationen sowie 120 Lorenz-Lichtbogenstationen.
Die
Spule des Detektorkreises des E 5 (und E 5 c) ist gegenüber der Abstimmspule
im Antennenkreis klappbar und in der 90-Grad-Stellung noch schwenkbar, um die
Kopplung der beiden Kreise in weiten Grenzen zu ändern (festere Kopplung
gleich größere Lautstärke bei geringerer Trennschärfe - und umgekehrt). Die
großen, auswechselbaren Spulen befinden sich auf einer Hartgummiplatte oben
an einem senkrechten Winkeleisenrahmen. Darunter sind der Bereichsumschalter
»kurz« - »lang« sowie die beiden Detektoren angeordnet (»empfindlich« -
»unempfindlich« oder auch »Betrieb« - »Reserve«), davor der Drehkondensator
(Einstellung nach Gehör oder nach Abstimmkurven). Auf der Rückseife fällt der
große Rillenisolator mit den Umschaltkontakten der Antenne für »Senden« und
»Empfang« auf. Ein langer Handhebel betätigt die Kontaktanordnung. Weiter
verhindern Blockierungskontakte ein Tasten des Senders in Stellung »Empfang«.
Die Detektoren sind durch Schutzfunkenstrecken gegen höhere Überspannungen
geschützt. Andere Systeme
ziehen nach
Mit
einem Tastenwerk ließen sich acht verschieden hohe Töne voreinstellen, so
dass neben Morsezeichen auch je nach Tonhöhe Signale mit verabredeter
Bedeutung ausgestrahlt werden konnten (Detektorempfänger mit auf die
Tonfrequenzen abgestimmten Fernhörern).
Es gab weltweit noch eine Reihe anderer Funksysteme, die mit gekoppelten Sendern und Stoßerregung nach Wien arbeiteten, jedoch mit z.T. sehr unterschiedlichen Funkenstrecken zwischen Metallelektroden: radikal mit Luft angeblasene (BASF, Koch), drehbare Walzenreihen (französische Systeme), Plattenfunkenstrecken mit wenigen Hundertstel Millimeter Abstand (Boas), oder wassergekühlte mit am Rand abbrennender Papierisolation (v. Lepel). Manche dieser Verfahren existierten jedoch nur kurze Zeit. 1914 werden neben den Systemen von Telefunken, Marconi und Lorenz 3 deutsche, 7 französische, 11 angloamerikanische und je eins in Australien, Japan und Russland erwähnt. |
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Teil 4
Die drahtlose
Telegrafie mit gedämpften Wellen bekommt Konkurrenz
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Lichtbogen-
und Maschinensender für ungedämpfte Wellen
Prinzipschaltbild
eines Lorenz-Lichtbogensenders fuer Telefonie und Bedingungen für das
einwandfreie Arbeiten als Sender sind eine sehr gute Kühlung und
Entionisierung des Raumes zwischen den Elektroden. Diese Voraussetzungen, wie
Einbetten des Bogens z.B. in eine Wasserstoffatmosphäre, Einsatz starker
Magnetfelder um Ionen »wegzublasen«, Wasserkühlung der Elektroden und der
Flammenkammer u.ä. führten bei den zwischen 1906 und 1925 vorwiegend in
England (Elwell), Dänemark (Poulsen), USA (Federal Co.) und Deutschland
(Lorenz) gebauten Lichtbogensendern bis zu einigen hundert Kilowatt zu
mechanisch sehr aufwendigen und schwerwiegenden Konstruktionen. Außer mit der Lichtbogentechnik lassen sich Wechselspannungen im HF-Bereich auch mit rotierenden Generatoren erzeugen, wenn Rotor und Stator sehr fein unterteilt sind und die Umfangsgeschwindigkeit des Rotors sehr hoch ist. Die ab 1904 beginnenden Versuche, mit Maschinensendern bei ausreichender Leistung ungedämpfte Wellen zu erzeugen, zeigten bald, dass sie praktisch nur für den Einsatz im Längstwellenbereich in Frage kamen. Fessenden (USA) und Alexanderson (Schweden) bauten um 1908 z.B. Maschinensender hoher Umdrehungszahl mit 50 kW Leistung bei 50 kHz (6 000 m), 75 kW bei 25 kHz und 200 kW bei 12 kHz.
Durch
Frequenzvervielfachung innerhalb der Maschinen mit Serienschwingkreisen in
Rotor und Stator konnte 1908 Goldschmidt (Deutschland) bei Drehzahlen von nur
3 000 U/min 100 kW bei 20 kHz erreichen. Die Goldschmidt-Patente wurden von
der Marconi Co. erworben. Die Lichtbogen- und
Maschinensender der Weitverkehrsstationen verloren jedoch rasch an Bedeutung,
als ab Mitte der Zwanziger Jahre Kurzwellen-Röhrensender mit erheblich
geringerem Antennenaufwand und Leistungsbedarf ihre Aufgaben übernahmen.
Heute werden Längstwellen noch für Navigationsverfahren, für
Zeitzeichensender und militärisch (getauchte U-Boote) eingesetzt, Langwellen
außer für Rundfunk für Navigationssysteme (Loran, Decca), Funkfeuer (z.
Peilen), Wetterfunk, Presseagenturen und Botschaftsfunk. Verstärkerröhren für
Empfänger und Sender
Abhilfe
schaffte schließlich die Röhrentechnik, jedoch erst nach vielen mühseligen
Schritten und Parallelentwicklungen in Europa und den USA. Das Bauelement
Röhre mit Heizfaden und Anode in einem annähernd luftleer gepumpten
Glühlampenkolben setzten ab 1904 unabhängig voneinander A. Wehnelt
(Deutschland), J. A. Fleming (England) und L. de Forest (USA) als
Gleichrichter ein. Allerdings waren diese ersten Gleichrichterröhren unempfindlicher
als Schloemilchzellen und Kristall-Detektoren. Erst
der Einbau eines Steuergitters zwischen Faden und Anode durch L. de Forest
brachte 1907 in der Audion-Schaltung infolge der etwa 10fachen Verstärkung
der Röhre eine höhere Empfindlichkeit als die der Detektoren. Nachteilig bei
den damals Stück für Stück handgefertigten Röhren war jedoch das nur geringe
und oft verschieden hohe Vakuum mit Restgasen (sog. »weiche Röhren«), die
dadurch von Röhre zu Röhre streuende Arbeitspunkt-Einstellung mit Heiz- und
Anodenspannung und die ungenügende Lebensdauer der Tantal-Heizfäden (35 ...
100 Stunden). L. de Forests Röhrenbauer stellten z. B. von 1909 bis 1913 mit
einigen technischen Verbesserungen steigend etwa 1 bis 3 pro Tag her. Der
Einsatz des Audions als NF-Fernsprech-Verstärker scheiterte infolge falsch
bemessener Bauelemente. Erst nach dem Patent des Österreichers R. v. Lieben
1910 mit einer »weichen« Röhre als NF-Verstärker gelang es 1912, brauchbare
Fernsprechverstärker in deutschen Fernleitungen einzusetzen, unabhängig davon
H.D. Arnold (USA) 1913 mit Hochvakuumröhren New York - Washington.
Fruehe
Roehrenformen Der praktische Betrieb
der Liebenröhre mit ihren Ouecksilberdampf-Restgasen war allerdings wegen des
temperaturabhängigen Vakuums immer noch problematisch. Erst der Übergang auf
sog. »harte Röhren« mit wesentlich besserem Vakuum (Hochvakuum) und Ausbau
der theoretischen Grundlagen ab etwa 1911 in verschiedenen Ländern
verbesserte die Röhreneigenschaften so, dass sie mehr und mehr praktische Bedeutung
in Fernsprechverstärkern und Funkempfängern bekamen. Wichtige Entdeckungen
waren hierbei die Hochfrequenz-Verstärkung mit Röhren (0. v. Bronk 1911) und
die Rückkoppelung (A. Meißner 1913). Letztere
ermöglichte, mit Röhren ungedämpfte Wellen zu erzeugen, indem ein Teil der im
Ausgangskreis verstärkten HF-Schwingung auf den Eingangskreis der Röhre
zurückgekoppelt wurde. Der Einsatz der Rückkopplung zur Entdämpfung des
Audion-Schwingkreises bei Empfängern (z.T. über hundertfache
Empfindlichkeitssteigerung) gelang in praktisch brauchbarer Form erst ab
1918. Das Ende der
Funkentelegrafie mit gedämpften Wellen 1912: Sendeeinrichtungen, bei denen die
ausgestrahlten Wellen mit einer direkt in die Antenne geschalteten
Funkenstrecke erzeugt werden, sind nicht mehr gestattet (Ausnahmen:
Seenot, Stationen mit Sender-Eingangsleistungen unter 50 Watt) Das bedeutete, dass die in den Wiederaufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich noch vereinzelt als Notsender vorhandenen Löschfunkensender von Schiffen bis 1961 zum Peilen, zur Verkehrsabwicklung und auf der Seenotwelle 500 kHz (600 m) benutzt werden durften, letzteres sogar bis Ende 1965. Immerhin entspricht dies einer möglichen Einsatzzeit der Telegrafie mit gedämpften Wellen von mehr als 60 Jahren, von 1897 bis in ein Jahrzehnt, in dem die Halbleitertechnik bereits begann, die Elektronenröhre zu verdrängen. Quellenhinweise
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