Geschichte
des Amateurfunks 
Amateurfunk
seit 1909
Die
Wiege des Amateurfunks lag in den USA und Kanada. Hier begannen bereits 1909
Techniker und Telegraphisten mit eigenen Funk-Experimenten. Im November 1909
wurden die ersten vorläufigen Gebehmigungen durch die Navy der USA erteilt und
einen Monat später gab es die ersten Genehmigungen in Großbritannien und
Australien. In Conneticut wurde 1910 der "Radio-Club of Hartford"
gegründet, der auch die ersten Amateurfunksendelinien mit Relaisbetrieb
einrichtete. Seit dem 13.11.1912 gab es in den USA offiziell
Amateurfunksendelizenzen und bereits Ende 1913 erschienen ein Radio-Amateur-
Callbook mit 1.200 Rufzeichen.
Am
6.4.1914 wurde die "American Radio Relay League" (ARRL) als Zusammenschluß der entstandenen
vielen kleinen Funkverbände gegründet. Präsident wurde Hiram Percy Maxim, der
Gründer des Radio Club of Hartford. Er leitete die ARRL, die heute mit rund
230.000 Mitgliedern der größte Amateurfunkverband der Welt ist, bis zu seinem
Tode im Jahre 1936. Bei Kriegseintritt der USA im Jahre 1917 hatte die ARRL
bereits 4.000 Mitglieder. Viele wurden im 1. Weltkrieg als Funkspezialisten
eingesetzt.
1919
teilten die Behörden der USA den Funkamateuren die Wellen 150m bis 200m als
eigenes, exklusives Band zu. Galt dieser Frequenzbereich doch als unbrauchbar
für den Weitverkehr. Aber die Funkamateure experimentierten und verabredeten
Versuche. Am 27.11.1923 war dann der denkwürdige Tag, an dem die erste
Transatlantik-Zweiweg- Verbindung auf 110m Wellenlänge mit Röhrengeräten
zwischen Hartford (USA) und Nizza (Frankreich) gelang. Dieser Erfolg sprach
sich trotz der noch langwierigen Kommunikationswege schnell herum. Bis Ende
Januar 1924 war schon drei Franzosen, zwei Holländern sowie acht Briten der
Funkkontakt mit USA oder Kanada gelungen. Die größte Entfernung erreichte 1924
der 16-jährige Schüler C. Goyder im Kontakt mit Frank Bell in Neuseeland.
In
den Folgemonaten kamen sehr viele Verbindungen auf Wellen unter 150m zustande,
u.a. auch von den in Deutschland seit 1920 ohne Genehmigung tätigen
Funkamateuren Richard Dargatz und Werner Slawyk. Die Kurzwelle als
Weitverbindungsmöglichkeit war von den Funkamateuren entdeckt. In Rußland wurde
nach der Oktoberrevolution 1917 die Radiorundsprüche "an alle"
populär und 1924 wurden dort auch private Funkstationen genehmigt.Weltweit
beschäftigten sich inzwischen viele privat mit Funksendern. Sogar
wissenschaftliche Expeditionen suchten den Kontakt mit Funkamateuren. Der
Polarforscher Byrd z.B. unterhielt bei seinen Nordpolarexpeditionen selbst
Funkverbindungen mit Amateuren in aller Welt.
Funkpionier
Werner Slawyk
Die
Ansätze zur Entwicklung des Amateurfunks zeigten sich in Deutschland deutlcih
später als in den USA, Großbritannien oder Frankreich. Es galt damals das
"Gesetz über das Telegrafenwesen des Deutschen Reiches" vom 6.4.1892.
In Berlin gab es im Jahre 1919 einen unbekümmerten Mann namens Richard Dargatz,
der baute sich eine Empfangsstation, ersucht beim Kaiserlichen Telegrafenbauamt
um eine Genehmigung und bekam prompt eine schroffe Abfuhr. Zu ihm kam 1920 sein
Schulfreund Werner Slawyk mit dem Wunsch, baldmöglichst in die Geheimnisse des
"Radio" eingeweiht zu werden.
Es
gab in Deutschland noch keinerlei Einzelteile für Bastler zu kaufen, denn so
etwas wie Rundfunk war noch völlig unbekannt. Die beiden Schüler mußten daher
Kondensatoren aus Staniolzigarettenpapier, Widerstände aus abgebrannten
Bleistiften und Drehkondensatoren unter Verwendung von Photoplatten fertigen.
Als Demodulator diente Pyrit und Bleiglanz.
Das
Glanzstück der "Forschungsarbeiten" war ein Doppeldetektor mit einer
Umschaltspule. Dieses epochemachende Gerät wurde, damit es die Behörden nicht
fanden, in der Toilette der Familie Slawyk installiert. Es gelang den beiden
einige Wolframröhren zu erwerben und von Prof. Leithäuser eine
Überlagerungsschaltung mit HF-Vorstufe zu schnorren. Als die neue Wunderkiste
in Betrieb gesetzt wurde, waren die Piepstöne zunächst völlig neu, denn bisher
kannte man nur das Knurren der Löschfunkensender.
Mit
großer Energie wurde in der folgenden Zeit das Morsealphabet erlernt. Slawyk
war der erste, der Tempo 100 (BpM) beherrschte. Es existierte bald eine feste
Funklinie, vornehmlich zur Durchgabe von Schularbeiten. Später kamen noch die
beiden Schüler Überholz und Schubert zu der Gruppe. Die Militärstationen
konnten mit dem Funkverkehr nichts anfangen, dafür war ihr Telegrafietempo zu
hoch. Eine Funküberwachung gab es damals nicht, es steckte noch alles in den
Kinderschuhen.
Die
Funkgruppen verwendeten Wellenlängen von 250-450m; 1924 wurde dann auf
Kurzwelle umgestellt. Es folgten geheime Zusammenkünfte mit den
Rundfunkpionieren Prof. Slaby, Nesper und Gramich in Berlin. Slawyk war der
erste, der sich eingehend mit Antennengebilden auf Kurzwelle befaßte. Er nahm
Kontakt mit anderen Amateurfunkstationen auf, die im süddeutschen Raum in
Telefonie sendeten. Die Sender Mars (Ruhrgebiet) und Uhu (Heidelberg) wurden
ein Begriff.
Der
erste, der noch 1923 bei diesem Frevel "Amateurfunk" geschnappt
wurde, war OM Horkheimer aus Rottenburg. Er wurde zu drei Millionen Mark Strafe
und Einzug der Geräte verurteilt; zahlte das Inflationsgeld und baute eine neue
Station. Endlich wurde dann 1924 die "Audion-Versuchserlaubnis" eingeführt
und OM Slawyk konnte, damals noch in Berlin, legal arbeiten.
Der
Anfang nach 1945
Der
am 20.3.1927 gegründete Deutsche Amateur Sende- und Empfangsdienst (DASD)
konnte auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten trotz verschiedener
Versuche der Auflösung oder Übernahme durch die NSDAP bis Kriegsende relativ
unabhängig erhalten bleiben. Die demokratisch eingestellten Amateure des DASD
und ihre Präsidenten Prof. Leithäuser (1933-34) und Vizeadmiral Dr. Groos
(1934-35) hatten mit dem Hinweis auf die Mitgliedschaft in der Internationalen
Amateur Radio Union (IARU) die Oberhand behalten. Ende 1935 wurde übrigens auf
Vorschlag von OM Slawyk, D4BUF und OM Schmelzer, D4BIU, das DASD-Diplom
"Deutscher Sendemeister" (DSM) gestiftet.
Erstaunlich,
noch 1944 strahle DR. Twick, D4VGH, aus Mönchengladbach in Telegraphie einen
Rundspruch ab. Im Februar 1945 erschien die letzte Ausgabe der "CQ"
das Nachrichtenblatt des DASD. Wohl das letzte, denkwürdige QSO wurde 1945
zwischen OM Wördemann, D4MNL, in Cuxhaven und OM Wegner, D4GXF, in Alsen, beide
bei der Post und spätere VFDB-Mitglieder, mit deren Kriegsfunkgenehmigung
geführt.
Im
besetzten Deutschland galten nun die Bestimmungen der jeweiligen
Militärregierung. Empfänger mit einem zweiten Oszillator für Telegraphieempfang
waren verboten, auf den Besitz von Sendern stand die Todesstrafe. Vereine zu
gründen war zunächst verboten oder genehmigungspflichtig. Trotzdem trafen sich
bereits im Herbst 1945 unabhängig voneinander sowohl in der amerikanischen wie
auch in der britischen Zone heimlich alte Funkamateure. Im Raum Stuttgart gab
es mehrere aktive Stationen mit Fantasierufzeichen. Mit Billigung der
großzügigen Amerikaner wurde am 17.8.1946 der Würtembergische-Badische
Radio-Club gegründet.
Am
7 und 8.6.1947 wurde die erste Kurzwellentagung nach dem Kriege in Stuutgart
durchgeführt. Etwa 500 Amateure trafen sich und das in einer Zeit, in der man
bei den überfüllten Zügen noch auf den Trittbrettern fuhr. In der britischen
Zone bauten die OMs, die teilweise vom CIC in Gewahrsam genommen worden waren,
von Anfang an auf einen reinen Kurzwellenclub.
In
Hamburg hatten sich einige OMs um den Altamateur Rudi Rapcke geschart. Seine
Wohnung amUhlenhorsterweg wurde zum Treffpunkt. Eines Tages entdeckte er eine
Kurzwellenantenne, die vom Hygienischen Institut zur Musikhalle gespannt war.
es war die Antenne seines späteren Freundes Major Shears, G8KW:
Bereits
im Dezember 1945 hatte Alfred Müller, DL1FL, die Satzung für einen
Norddeutschen Radio-Amateur-Club (NRAC) entworfen. Am 21.5.1947 wurde dann in
der Britischen Zone der Deutsche Amateur Radio Club (DARC/BZ) gegründet. Die Glückwünsche von Colonel
Kidd, Major Chalk und Shears begleiteten diese Zeremonie.
Jetzt
wurde gemeinsam mit den Verbänden in Württemberg, Hessen und Bayern und den
Freunden bei den Amerikanern und Engländern bei der Hauptverwaltung für das
Post- und Fernmeldewesen interveniert. Das Ergebnis: Das Gesetz über den
Amateurfunk vom 14.3.1949, unterzeichnet vom Präsidenten des Wirtschaftsrates
Dr. Erich Köhler, trat in Kraft.
Quelle:
Festschrift 40 Jahre VFDB e.V.
(aus der Homepage des VFDB-OV-Z21 , Danke an Bjoern DH3BP)